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Datum: 11.02.2021

Presseinfo 01/21
Jahresbilanz des Jobcenters Ostholstein für 2020

Jobcenter Ostholstein zieht Jahresbilanz 2020

Trotz Corona-Pandemie weniger Leistungsbezieher und Ausgaben als 2019
Höchste Integrationsquote in Schleswig-Holstein
Finanzmittel für die Arbeitsmarktpolitik zu 100 Prozent genutzt

Trotz der Corona-Pandemie kann das Jobcenter für 2020 eine positive Bilanz ziehen. Während 2019 noch 10.500 Frauen und Männer in 5.800 Haushalten Leistungen vom Jobcenter Ostholstein erhielten, waren es 2020 9.800 Personen in 5.500 Haushalten. Die Rückgänge lagen bei 6,7 Prozent und 4,9 Prozent, so stark wie in keinem anderen Kreis und keiner kreisfreien Stadt in Schleswig-Holstein.

„Durch diese erfreuliche Entwicklung haben sich auch die Ausgaben des Jobcenters Ostholstein für das Arbeitslosengeld II sowie die Kosten der Unterkunft und Heizung verringert. Gegenüber 2019 waren es insgesamt 1,2 Millionen Euro weniger und im Vergleich zu 2018 sogar 4,4 Millionen Euro“, erklärte der Geschäftsführer des Jobcenters, Karsten Marzian.

Insgesamt hat das Jobcenter Ostholstein 2020 77,8 Millionen Euro ausgegeben, 2019 waren es 78 Millionen Euro. 27,4 Millionen Euro entfielen 2020 auf das Arbeitslosengeld II, 25,6 Millionen Euro auf die Kosten der Unterkunft und Heizung, 300.000 Euro auf einmalige Beihilfen, z. B. für die Erstausstattung einer Wohnung oder bei der Geburt eines Kindes, 900.000 Euro auf die Angebote aus dem Bildungs- und Teilhabepaket für Schülerinnen und Schüler, 9,9 Millionen Euro auf die aktive Arbeitsmarktpolitik und 13,7 Millionen Euro auf die Personal- und Sachkosten des Jobcenters. Die vom Bund für die Arbeitsmarktpolitik zur Verfügung gestellten Finanzmittel hat das Jobcenter 2020 zu 100 Prozent genutzt.

Positiv ist auch, dass 2020 gut 100 Frauen und Männer weniger als 2019 Leistungen vom Jobcenter beziehen mussten, obwohl sie in Beschäftigung waren. 2019 waren es noch 2.400 Personen. Allerdings ist der Anteil der erwerbstätigen Leistungsbezieher an den erwerbsfähigen Leistungsbeziehern im Kreis Ostholstein mit aktuell 28,9 Prozent, gefolgt vom Kreis Plön, landesweit am höchsten. Grund ist, dass der Kreis Ostholstein beim Bruttoarbeitsentgelt der Vollzeitbeschäftigten unter allen westdeutschen Kreisen und kreisfreien Städten vor dem Landkreis Cloppenburg den vorletzten Platz belegt.

Neben Altersabgängen ist der deutliche Rückgang der Leistungsbezieher auf die Aktivitäten des Jobcenters Ostholstein zurückzuführen. Dabei spielt die Integration in Berufsausbildung und Beschäftigung eine zentrale Rolle. 2020 wurden mit Hilfe des Jobcenters 2.050 Frauen und Männer in Ausbildung und Arbeit integriert. Das waren wegen der Corona-Pandemie zwar zehn Prozent weniger als 2019, im Landesschnitt fiel der Rückgang allerdings doppelt so stark aus. Gemessen an den erwerbsfähigen Leistungsbeziehern hatte das Jobcenter Ostholstein mit 26,9 Prozent die höchste Integrationsquote im Land. Besondere Schwerpunkte der Arbeitsmarktpolitik waren und sind weiterhin die Mobilitätshilfen des Jobcenters, wie Führerschein- und Fahrzeugförderungen, individuelle Coachings der Kundinnen und Kunden und die Förderung der Teilhabe am Arbeitsmarkt.
„Allein mit Hilfe der Teilhabe am Arbeitsmarkt waren 2020 durchgehend gut 200 Frauen und Männer in Sozialkaufhäusern, bei den Tafeln, im Bereich Umwelt, Natur und Museen, bei kommunalen Arbeitgebern und in Unternehmen beschäftigt. Fast alle erhielten durch die Förderung ein so hohes Arbeitseinkommen, dass sie keine Geldleistungen mehr vom Jobcenter beziehen mussten. Dieses arbeitsmarktpolitische Instrument hat sich gerade in der Corona-Pandemie sehr gut bewährt“, betonte Steve Peters, Bereichsleiter „Markt und Integration“ im Jobcenter Ostholstein.

Bedingt durch die Corona-Pandemie lag die Zahl der Neuanträge auf Arbeitslosengeld II 2020 um rund 400 höher als 2019. Insgesamt waren es knapp 2.000 Neuanträge. Am stärksten war die Zunahme mit rund 300 Anträgen im stark saisongeprägten Geschäftsstellenbezirk Oldenburg i. H. von Puttgarden bis Beschendorf und Barensdorf bis Süssau. Sie kamen zumeist von Soloselbständigen im Tourismusbereich.
„Die Anträge auf Arbeitslosengeld II haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenters Ostholstein auch 2020 sehr zügig bearbeitet. Lagen alle erforderlichen Unterlagen vor, wurde innerhalb von rund fünf Tagen entschieden und das Geld ausgezahlt. Trotz des höheren Antragsvolumens war das genauso schnell wie 2019“, sagte Dr. Stefanie Rönnau, Bereichsleiterin für die Leistungsgewährung.

Obwohl 2020 kaum persönliche Kundenkontakte stattfinden konnten und die Anliegen postalisch, telefonisch oder per E-Mail geklärt wurden, hat die Zufriedenheit der Kunden mit der Arbeit des Jobcenters Ostholstein im Vergleich zu 2019 zugenommen. Halbjährlich werden jeweils 100 Kunden der Jobcenter befragt, wie zufrieden sie mit der Arbeit und den Aktivitäten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind. Es können Noten von eins (sehr gut) bis sechs (ungenügend) vergeben werden. Bei der Gewährung der Geldleistungen haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenters Ostholstein 2020 eine Note von 2,3 erhalten, vor einem Jahr war es eine 2,5. Die Rahmenbedingungen ihres Kontaktes zum Jobcenter Ostholstein bewerteten die Kunden 2020 mit 2,0, 2019 war es eine 2,5.

„Wenngleich die wirtschaftlichen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie auch in Ostholstein zahlreiche Unternehmen und Arbeitnehmer hart treffen und die Zahl der Beschäftigten zurzeit auf hohem Niveau stagniert, bleiben die Perspektiven gut.
Fast jeder vierte Beschäftigte in Ostholstein ist im lebenswichtigen Bereich Gesundheit und Pflege tätig. Hinzu kommen die Zulieferer, Dienstleister und Handwerksbetriebe, die mit diesen Branchen eng zusammenarbeiten. Ferner gibt es allein in Ostholstein über 1.000 Arbeitsplätze in der Medizintechnik mit weiteren Personalbedarfen. Trotz der Pandemie ist und bleibt Ostholstein ein interessantes Reiseziel für Urlauber mit einer entsprechenden Personalnachfrage im Tourismussektor. Das hat 2020 gezeigt. Daneben wird der Bau der festen Fehmarnbeltquerung und des Sundtunnels in den kommenden Jahren zusätzliche Arbeitsplätze bringen. Nicht zuletzt trifft die demographische Entwicklung den ostholsteinischen Arbeitsmarkt mit rund 6.000 Beschäftigten, die in den nächsten fünf Jahren in Rente gehen. Die meisten dieser Arbeitsplätze müssen nachbesetzt werden. Unser Arbeitsmarkt bietet also auch in Zukunft sehr gute Chancen. Hinzu kommen die Personalbedarfe zum Beispiel in Lübeck und Kiel, von denen auch Pendler aus Ostholstein profitieren“, betonte Karsten Marzian.